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Wie findet man sich im Weltraum zurecht?

Vor mehr als 20 Jahren, nach der Lokalisierung der ersten tiefen Galaxienhaufen in bis zu 1–2 Milliarden Lichtjahren (LJ) Entfernung, lasen wir über die Große Mauer (Geller & Huchra 1989). Ich erinnere mich an ein Galaxiennetz, das irgendwie sogar einem Homunkulus ähnelte (Springel et al. 2006). Aber aus heutiger Sicht scheinen alle Versuche vergeblich, in diesem fein gesponnenen Netzwerk (Ménard, Shtarkman 2022) irgendwelche einprägsame Strukturen zu erkennen. Quasare (die meisten von ihnen etwa 10 Milliarden LJ entfernt) wären zwar hell genug, um im gesamten Universum gesehen zu werden, aber ihre 'Lebensdauer' ist auf nur 10 bis 100 Millionen Jahre begrenzt. Deshalb hoffe ich auf moderne celestial positioning systems (CPS) und darauf, dass ich nach dem Tod ein Smartphone in der Tasche behalte...
Nach dem Tod? Smartphone?
Vielleicht wissen Sie ja (oder etwa nicht?), dass ich kein Mobiltelefon und erst recht kein Smartphone nutze. Ihnen ist vielleicht auch bekannt, dass eines meiner Projekte sich mit den Eindrücken von Herz-Stillstand-Patienten während ihrer 'Abwesenheit' befasste. Einige wenige von ihnen berichteten überzeugend, sich an einer Art himmlischem Ort wiedergefunden zu haben. Diese Erfahrung bringt mich hin und wieder dazu, darüber nachzudenken, ob etwas Ähnliches auch mir einmal passieren könnte (ich komme langsam in dieses Alter).
Angenommen, ich hätte ein Telefon bei mir – sogar eines mit dem entsprechenden CPS – so könnte ich dieser App, sollte ich mich in den Tiefen des Alls verlieren, einfach meine irdische Adresse anvertrauen. Bevor sie sich den Quasaren zuwendet, würde sie womöglich zunächst die lokalen Anisotropien der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung analysieren, um eine erste Vorstellung davon zu bekommen, wo wir ungefähr waren. Erst dann, nach einer kleinen Translokation in den ermittelten Bereich, würde das kleine Gerät zwischen drei oder vier weit entfernten, aber markanten Quasaren hin- und herwechseln, ehe es mich zu einer Ansammlung von Galaxienhaufen führte. Womöglich würde mir schon nach wenigen Minuten (siehe oben) der Atem stocken.
Ohne die oben eingezeichneten Wegweiser würde es eine Weile dauern, bis die App unsere gute alte Milchstraße inmitten von 100 Milliarden anderen Sonnensystemen ausfindig gemacht hat – doch schließlich könnten alle Details übereinstimmen: die Anzahl der Planeten, die Ringe um den Sechsten, und der Mond in der Nähe der blauen Erde. Dann könnte ich einen Blick auf die Orte werfen, die ich aus meinem Leben kannte. Besonders gespannt wäre ich auf die Wohnung, in der ich einst gelebt habe. Was würde ich dort wohl vorfinden? Meine verzweifelten Kinder, wie sie sich mit dem nutzlosen Plunder herumschlagen, den ich hinterlassen habe?
Ich wäre geneigt, ihnen zu raten, was sie tun sollen, doch sie würden mich nicht hören. Auch Versuche, ihnen heimlich zu helfen, würden scheitern. Schließlich würde ich in der Mondsichel sitzen, traurig und voller Sorgen. Was ist schiefgelaufen? Warum war ich allein? Hatten unsere Patienten mir nicht von verstorbenen nahen Angehörigen erzählt, die voller Freude auf sie warteten? Ich würde mich umsehen, überwältigt von Myriaden von Sternen, die am schwarzen Firmament glitzerten.
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10/26 <          MLB          >
MJ Geller, JP Huchra (1989) Mapping the universe. Science 246, 897-903
V Springel, CS Frenk, SDM White (2006) The large-scale structure of the universe. Nature 440, 1137-44
B Ménard, N Shtarkman (2022) The map of the observable Universe, Johns Hopkins University