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Wann i, verstehst, wãs zredn hätt ...*

Na ja ... Alles würde ich natürlich nicht "ã'schãff'n", aber so manches. Es dürfte gar nicht so weniges sein, denn ich weiß gar nicht, womit ich beginnen soll. Die Zeiten ändern sich, und damit drängen sich manche Änderungen naturgemäß auf, die umzusetzen viele Gesellschaften einfach zu träge sind. Aber vielleicht beginne ich zunächst einmal damit, was ich alles nicht abschaffen würde. Darunter gibt es einiges, was in den letzten Jahrzehnten leider schon abgeschafft worden ist.
Ich würde der Art und Weise, wie sich die Vertreter der Spezies homo sapiens über Jahrhunderte in Gesellschaften gruppiert haben, größere Achtung entgegenbringen. Weder Grenzen noch Zahlungsmittel würde ich antasten, oder nur in besonderen Fällen nach reiflicher Überlegung und sorgfältiger Einbindung der Betroffenen. Ich würde keine Geschäfte schließen, und Häuser nur abreißen, wenn es aus statischen Gründen eben sein muss.
Ich würde keine Grünflächen verbauen und mich besser um die bereits verbauten Flächen kümmern. Ich würde keine Flüsse und Bäche regulieren und dem Wasser genug Platz lassen. Ich würde die Architektur endlich wieder als Kunstgattung achten und sie befähigten Könnern überlassen, unter Beachtung eines harmonischen Gesamteindrucks. Ich würde dafür sorgen, dass Menschen nicht täglich weite Strecken bewältigen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Nichts kommen lasse ich über die Schul- und die Wehrpflicht (1), über die geheime Wahl und das allgemeine und gleiche Wahlrecht, über den Mutterschutz, über das Recht seine Meinung zu sagen, über die Grammatik (inklusive ihrer gelegentlichen Erneuerung), über die Straßenverkehrsordnung (soweit sie im Rahmen der Vernunft bleibt), über Höflichkeit und gute Manieren, über die Beschränkung des Alkoholkonsums (im Rahmen der Vernunft) und das beherzte Einschreiten gegen die Abhängigkeit von Drogen (insbesondere von Nikotin, 2).
Abschaffen würde ich das Auseinanderreißen von Klassengemeinschaften nach dem 10. Lebensjahr; den Druck auf Jugendliche der Schulpflicht auch nach dem 15. Lebensjahr nachzukommen; die Pflicht an einem 'Arbeitsplatz' täglich pünktlich zu erscheinen, ob wir wollen oder nicht; die permanente Möglichkeit der Telekommunikation von überall nach überall hin; die unendliche Reichweite von Massenmedien (sowohl was Ort als auch was Zeit betrifft; ja, ich bin für den guten alten Sendeschluss spät am Abend, 3); die Möglichkeit für jeden zu jeder Zeit, wofür auch immer, ein Motor-betriebenes Fahrzeug in Gebrauch zu nehmen.
Ich würde nicht zulassen, dass manche Artgenossen ein um ein Vielfaches teureres Leben führen als wir übrigen. Ich bin weder für ein Grundgehalt für alle, noch will ich irgendjemandem Vorschriften machen, was er zu tun oder zu lassen hat. Mir geht es um Kostenwahrheit. Man soll nicht nur für Ressourcen bezahlen, die man verbraucht (Nahrung, Wohnraum, Besitz, Dienstleitungen, Kleidung, Vergnügungen, was auch immer), sondern auch für die langfristig daraus resultierenden Folgenkosten (Emission von Schadstoffen und Gasen mit Auswirkung auf das Klima, Abnutzung von Verkehrsflächen, Transport- und Lieferkosten, Entsorgung von Abfällen, u. a. m.).
Kostenwahrheit muss endlich selbstverständlich werden, nicht nur lokal, sondern global. Ich würde es abschaffen, dass Lebensmittel auf der einen Seite des Erdballs produziert und auf der anderen konsumiert werden. Fliegen soll endlich wieder so teuer werden wie es das (in Relation zu anderen Kosten) noch vor 70 Jahren war. Es soll für uns wieder ein Ausnahme-Erlebnis werden (das es ja anthropologisch betrachtet unbedingt ist). Dann würden wir einen Flug wieder als etwas Außergewöhnliches und Spannendes erleben und uns nur aus gutem Grund darauf einlassen (4).
Auch würde ich dafür sorgen, dass jedes Kind nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen lernt. Ihm soll auch beigebracht werden, wie man einen Knopf annäht, die Schuhe putzt, ein Hemd bügelt, eine Eierspeise herstellt, was ein Butterbrot ist, wie man ein Papierflugzeug faltet, wie man eine Walnuss öffnet, im Garten einen Misthaufen anlegt, einen Zeck entfernt, eine Wunde verarztet, eine Katze versorgt, einen Hund spazieren führt, eine Spinne aus der Badewanne entfernt (ohne sie hinunter zu spülen). Sie sollen fit fürs Leben werden, für ein Leben wie wir uns es wünschen.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen KI - ganz im Gegenteil. Ich hoffe, dass sie eines Tages all diejenigen ersetzen wird, die sich bemüßigt fühlen uns tagtäglich von Amts wegen zu schikanieren (5). Ich träume von kleinen sprachbegabten Automaten, die uns nicht zur Weißglut bringen mit dem immergleichen Sermon von der Eins, die wir drücken sollen, wenn wir dies oder jenes brauchen. Sie werden uns freundlich begrüßen und uns geduldig erklären, wie wir ans Ziel unserer Wünsche kommen, ganz ohne Herablassung, Standesdünkel und schlecht kaschiertem Sadismus.
Ich träume weiters von öffentlichen Verkehrsmitteln die man in einem bestimmten Umkreis unentgeltlich nutzen kann. Auch sie werden den sicheren Händen von KI-gesteuerten dienstbaren Geistern gehorchen und nicht davonfahren, wenn wir gelaufen kommen. Das ist der Vorteil von KI: man kann sich auf ihre Höflichkeit verlassen, ohne sich dabei das Gefühl einzuhandeln, deswegen gleich in ihrer Schuld zu stehen. Wenn wir uns trotzdem bedanken, wird sie antworten: "Aber das ist doch selbstverständlich" so, dass uns fast warm ums Herz wird.
Einmal wird es vielleicht wirklich so sein, dass wir im Alltag so behandelt werden, wie wir uns das schon heute wünschen würden, dank KI.                  /\
*Das Zitat lautet ergänzt: "Wann i, verstehst, wãs zredn hätt, i schãffat ãlles ã, ..." und stammt aus Josef Weinheber (1935) Wien wörtlich.
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(1) Schmoren im eigenen Saft? (9/12)
(2) Feeling easy (7/05)
(3) Musik ist ein besondrer Saft (4/24)
(4) Aufstieg und Fall einer Empfindung (10/09)
(5) Bürokraten und Paragraphenreiter (2/19)