| < Das einfache Leben (1) > |
| Wenn man sich lange in alltäglichen Gewohnheiten übt, entwickelt man allmählich immer präzisere Vorstellungen von idealen Abläufen. Man wünscht sich dann eine Küche, mit der man nicht nur kochen (1), sondern die man auch gut sauber halten und aufräumen kann. Folgerichtig beschränkt man die Ausstattung auf das unbedingt Nötige; dann reichen ein kleiner Wandschrank mit einer oder zwei Laden darunter, ein Abtropfgitter, und ein paar Haken an der Wand. Zwei Kochstellen und ein kleines Waschbecken, mehr braucht man nicht (2). Je mehr Fläche und Geschirr man anpatzt, umso mehr muss man danach auch wieder sauber machen. |
| Unsere (3) Küche ist sparsam ausgestattet, mit Topf und Pfanne, Geschirr und Besteck, und einigen wenigen, mit Hand und Muskelkraft zu betreibenden Geräten. Bloß keinen Geschirrspüler, bloß keinen Kühlschrank.(4) Eine kleine Kühlbox genügt für Milch und Zubereitetes, das 2 oder 3 Tage genießbar bleiben soll. Wir haben nicht vor, verderbliche Vorräte anzulegen. Wozu auch? Wenn ich auf mich allein gestellt bin, denke ich an meine akuten Bedürfnisse, mit Einkaufmöglichkeit in Reichweite. |
| Muss man täglich duschen? Mein Vater musste dem Pflegepersonal erklären, warum er seinen Körper lieber mit dem Lappen vor dem Waschbecken wusch. Als er dann nicht mehr mobil war (er wurde 98), kehrte man im Pflegebett zu dieser altbewährten Prozedur zurück. Nein, man muss nicht täglich duschen, vom täglichen Vollbad ganz zu schweigen. Meine ideale Lebenszelle sieht dafür eine Ecke oder Nische mit Waschbecken vor.(5). Seife und Geschirrspülmittel gehören zur Grundausstattung und sind so gewählt, dass sie die biologischen Prozesse bei der Wasseraufbereitung nicht stören. Auf das Waschen der Haare sollten Sie während dieser wenigen Tage verzichten. Allein tut man sich schwer damit an einem Waschbecken. |
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Wie
halten wir es mit der Bekleidung? Ziehen wir jeden Tag ein frisches
Hemd an? Auch so eine Angewohnheit, der man in unseren Zeiten Tribut
zollen muss, will man nicht ausgelacht werden.(6)
Dabei kann man für ein paar Tage zwischen zwei Hemden hin- und
herwechseln, wenn man sie luftig hängt. Nach einer Woche packt man
das bisschen, das sich angesammelt hat (es geht ja nicht nur um
Hemden) zusammen und begibt sich wieder nach Hause, zur
dienstbereiten Waschmaschine, zu Dusche und Badewanne. (7) |
| 6/26< Inhalt 6/26 >Teil 2: Grundriss |
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(1) Man beachte die doppelte Bedeutung des Zeitworts. Es kann einen physikalischen Vorgang meinen (das Wasser kocht) oder die Zubereitung einer Mahlzeit. Wasser kocht aufgrund seines aktuellen Zustands; ein Objekt beizustellen macht keinen Sinn. Ist die Tätigkeit gemeint, geht das mit oder ohne Objekt. (2) Bis zu 'Waschbecken' bleibt offen, ob die Hauptwörter im 1. oder 4. Fall stehen. Auch erst mit dem Beistrich entscheidet sich, ob die Wortfolge zu einem Haupt- oder zu einem Nebensatz wird. (3) Obwohl Personalpronomen häufig sind, fallen sie kaum auf. Oder haben Sie bemerkt, dass hier zum 1. Mal ein bestimmtes steht? Das unbestimmte 'man' stellt immerhin 9 der 100 Wörter im 1. Absatz. Nur im 12. (Teil 3, Abs. 4) wird seine Dichte höher sein (12/107). Dafür fehlt es in anderen (z. B. in diesem) völlig. (4) Hier handelt es sich um Ausrufe; sie kommen ohne Subjekt und Prädikat aus und können mit einem Rufzeichen enden, müssen es aber nicht. Die Wahl des Falles wirkt sich auf die (im Stillen vorgestellte) Vervollständigung zu einem Satz aus. (5) Dennoch möchte ich den Genuss, in eine Wanne mit heißem Wasser zu sinken, nicht länger als eine Woche missen. (6) Auch diese Wortfolge verzichtet auf Subjekt und Prädikat, ist aber kein Ausruf. Zum vollständigen Satz würde sie durch Voranstellung von 'Das ist'. (7) Man
grüble über den Unterschied: warum bekommt die Waschmaschine einen
Artikel und die anderen beiden nicht? Ich weiß es nicht. > |