Sudoku
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Seit
gut 20 Jahren übe ich mich regelmäßig in dieser japanischen
Rätsel-Disziplin. Die Zahlen 1 bis 9 müssen auf den 81 Feldern eines 9
x 9 - Quadrates verortet werden, so, dass in keiner Zeile oder Spalte
eine Zahl doppelt vorkommt. Zusätzlich sind die 81 Felder zu 9 Gruppen
von jeweils 9 zusammengefasst. Auch wenn Sie mit Sudokus nicht vertraut
sind werden Sie ahnen, dass auch in diesen Bereichen jede Zahl nur
einmal vorkommen darf.
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Ich
weiß nicht, ob man die Aufgabe einfacher bewältigen könnte, wenn weiter
nichts gegeben wäre, wenn man also vom leeren 9 x 9 Raster ausginge.
Dem ist aber nicht so: Es sind immer schon gut 1/4 der Felder
vor-ausgefüllt, mit der Behauptung, es gäbe dann nur noch eine einzige
Lösung. Diese gilt es herauszufinden. Schon allein diese Prämisse ist
hinterhältig. Erstens muss man ihr vertrauen, und zweitens wird
demonstriert, dass nur ein Ergebnis richtig ist.
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Während
der Suche nach der Lösung beschleicht mich immer wieder das Gefühl,
mich strategisch mit einem unbekannten Feind zu messen. Das
'Feindesland' sind die leeren Felder, die es zu 'erobern' gilt. Der
'Gegner' verteidigt sie mit Zähnen und Klauen. Mit jedem 'Erfolg' wird
sein Territorium kleiner; er 'verliert' immer mehr Gebiete an mich.
Bald hat er keine Einser mehr (zum Beispiel), und irgendwann 'raube'
ich ihm auch den letzten Vierer.
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Immer
weiter wird er 'in die Enge getrieben', aber er errichtet schier
unüberwindliche 'Bastionen': wie mit Absicht befinden sich die letzten
4 Felder für Siebener (zum Beispiel) paarweise auf gleicher Höhe, und
auch andere Zahlen scheinen, wiewohl 'in die Enge getrieben', sich
'bewusst' naheliegenden Schlüssen zu entziehen. Irgendwann verbeißt man
sich in eine ganz bestimmte Konstellation und probiert alle
Möglichkeiten durch.
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Man neigt dann dazu, die ursprüngliche Aufgabenstellung aus den Augen zu verlieren: Die Zahlen 1 bis 9 sollten auf
den 81 Feldern verortet werden, so, dass in keiner Zeile oder Spalte
oder keinem Bereich eine Zahl doppelt vorkommt. Es gibt keinen Gegner
und schon gar keinen Krieg. Man darf daran glauben, dass es eine Lösung
gibt. Gemeinsam mit dem vorgestellten Gegenüber versucht man sie zu
finden.
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Mir fällt dann oft die unmittelbare Nachkriegszeit ein,
als die alliierten Besatzungsmächte gemeinsam mit den wiedererstandenen
Österreichern versuchten, das Leben für alle Beteiligten wieder
angenehmer zu machen. Im günstigsten Fall kam man gemeinsam auf gute Lösungen, ohne sich in Freund/Feind-Debatten
zu verzetteln. Sieger und Besiegte lernten dabei, dass es eine Instanz
gab, der sie beide Tribut zollen konnten, ohne das Gesicht zu
verlieren: die Vernunft.
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So hat auch jedes (fehlerfreie) Sudoku eine der Vernunft und der Logik geschuldete Lösung.
Dabei spielen alle 9 Zahlen ihre Rolle; keine von ihnen darf übersehen
werden. Und am Schluss haben alle 9 zusammen die Lösung gemeinsam
erbracht. man kann sich dann entspannt zurücklehnen. Anstelle von
Siegern und Besiegten verbleiben Partner, die sich gemeinsam bemüht
haben und gemeinsam zur Lösung gekommen sind. Auf jede der neun kam es an, keine war wichtiger als eine andere.
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Mit
über 20 Jahren Routine
beim Lösen, hat sich mein Arbeits-Stil geändert. Jetzt bemühe ich mich,
die Zahlen möglichst schön zu schreiben (ich bevorzuge Bleistift auf
Papier). Auch und gerade bei den letzten einzutragenden Zahlen achte ich
sorgfältig auf alle Bezüge (auch wenn diese schon längst
selbstverständlich erscheinen). Statt
stolz zu sein auf meine Leistung, freue ich mich über das harmonische
Endergebnis.
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6/26< MLB 6/26 >1/07
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siehe auch:Hashiwokakero
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Psychoanalysis
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